Kinfolk. Sports Issue

Kinfolk ist eines der bekanntesten und einflussreichsten Zeitschriften aus der internationalen Szene der Independent Magazines. Man kann sagen, dass das im Jahre 2011 gegründete Magazin bereits zu den alten Hasen gehört. Sogar einen Wikipedia-Eintrag hat das Magazin, woran man bereits erahnen kann, dass das Magazin eine gewisse Bedeutung hat. Stolz ist Kinfolk auf seine Erwähnung in der New York Times, Zeit Online und diversen weiteren internationalen Medien. Inzwischen gibt es eine kleine Ansammlung an Büchern, darunter ein Koch-, ein Einrichtungs- und ein Unternehmerbuch.

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Kinfolk hat wie kaum ein anderes Magazin die visuelle Ästhetik einer ganzen Magazingeneration geprägt. Das Layout als minimalistisch zu bezeichnen, trifft es nicht so genau, denn jede einzelne Seite scheint exakt durchkomponiert zu sein. Die Fotos und Illustrationen strahlen stets eine angenehme, ruhige Eleganz aus, die durch die vielen monochromen Flächen in den Bildern und den großzügigen weißen Flächen im Layout drumherum verstärkt wird. Farben werden stets behutsam und mit Bedacht eingesetzt, auf vielen Seiten wird auf sie sogar ganz verzichtet. Kein Wunder, denn Kinfolk versteht sich als Werber für die Entschleunigung des Lebens, dem Slow-Life-Lifestyle. Und tatsächlich, eine Stunde mit Kinfolk ist wie eine Auszeit vom hektischen Alltag, wo grelle Werbung und buntes Durcheinander Menschen zum nächsten Burnout zu schupsen drohen.

Kinfolk_ - 5Selbst die wenigen offensichtlichen Werbeanzeigen fügen sich in der Kinfolk-Ästhetik gut ein. Offenbar entscheidet der Art Director gleich mit, welche Anzeigen geschaltet werden dürfen. Bei einem offiziellem Preis von 18 Dollar pro Ausgabe mag man zunächst glauben, dass dies den wenigen ganzseitigen Werbeanzeigen geschuldet ist. Doch wenn man die Bildunterschriften bei den vielen Fotostrecken aufmerksam liest, in denen die Kleidermarken und -designer genannt werden, stellt man dann doch ziemlich ernüchternd fest, dass das Magazin von Werbung nur so strotzt. Native Advertising ist das Zauberwort, welches die Sales-Teams von Kinfolk bei ihren Verkaufsgesprächen stets in den Mund nehmen werden. Eine äußerst umstrittene Werbeform, die an die typische Schleichwerbung erinnert. Der kleine Unterschied: Die Werbung wird unauffällig im Kleingedruckten gekennzeichnet.Kinfolk_ - 2So frage ich mich beim Durchblättern und Lesen der Artikel irgendwann, ob die Fotos für die Artikel geschossen wurden oder andersherum, die Artikel nur als Beiwerk für die eigentliche Werbung dienten. Warum sonst muss ich in einem Artikel über die Musik von Kilo Kish erfahren, von welcher Marke der Schmuck ist, den sie in den Bildern trägt? Denn im Interview geht es schliesslich um Ihre Musik.

Nach der vielen Schleichwerbung ist die inhaltliche Relevanz der vielen Artikel mein zweiter Kritikpunkt. Ich vermisse Tiefgang. In der aktuellen Ausgabe zum Beispiel ist Sport das Hauptthema und es finden sich viele sehr schöne Fotostrecken rund um das Thema (wobei die Sportler auf den Bildern meistens mehr an Mode als an sportliche Anstrengung interessiert zu sein scheinen). Doch was erfährt der Leser: Ein New Yorker Model verabschiedet sich nach ihrer glanzvollen Karriere nach England und kann es sich als vermögendes Ex-Topmodel leisten, dort jeden Tag zu reiten. Ein Komiker lässt sich von seinem Fitbit-Armband den Alltag diktieren. Doch an etwas wirklich Gehaltvolles scheint Kinfolk nicht so sehr interessiert zu sein. Dabei böte das Thema so viele spannende Anknüpfungspunkte, mit denen man auch die Kinfolk-Leser nicht überfordern würde.Kinfolk_ - 4Titel: Kinfolk. Sports Issue (#26)
Sprache: Englisch (auch auf japanisch erhältlich)
Woher: Kopenhagen (DK), Portland (USA)
Offzieller Preis: $18 (ca. EUR 15.20 oder CHF 17.80)
Wo kaufen: über Amazon ab ca. €14.00 + ca. €3 Versandkosten

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