Im Anfang steht das Ende

Überall, wo Zeitschriftenenthusiasten über die aktuelle Welle unglaublicher Magazine sprechen, wird auch immer gerne «Works That Work» genannt, das Werk von Peter Biľak, ein bekannter Typograf aus Holland. Das Designheft gilt als Inspirationsquelle für eingefleischte Designer. Gleichzeitig begeistert es auch Nicht-Designer. Wer es schafft, sowohl die Fachleute als auch Fachfremde zu begeistern, hat etwas Besonderes geleistet. Doch was zeichnet «Works That Work» aus? Und warum ist diese Nummer 10 die letzte? Dazu mehr im Folgenden.

WorksThatWork - 2Das Magazin interessiert sich nicht für aktuelle Designtrends. Es hat nicht den Anspruch, zu beurteilen, was hip oder ästhetisch sei. Vielmehr ist das Magazin ein Beobachter, der versucht zu ergründen, was warum gut funktioniert. Der Slogan «A Magazine of Unexpected Creativity» bringt es ziemlich gut auf den Punkt: «Works That Work» findet Kreativität in Objekten, Kulturtechniken oder Infrastrukturen, die wir schnell übersehen, weil wir sie als gegeben hinnehmen. Wie zum Beispiel das Covergirl der aktuellen und letzten Ausgabe: Die Brunneineinheitsflasche aus Deutschland, mit der auch der Autor dieses Blogs aufgewachsen ist. Die Mehrwegflasche wurde 1969 als Antwort auf die Cola-Flasche in Deutschland eingeführt und wird bis heute zwischen Rhein und Oder millionenfach gekauft und zurückgegeben – pro Flasche im Durchschnitt fünfzig mal bis sie endgültig ausgedient hat. «Works That Work» erklärt, warum das ausgeklügelte System so gut funktioniert.WorksThatWork - 4Das schöne am guten Design sind die Problemlösungen. Dieser Umstand macht «Works That Work» zu einem äusserst angenehmen Leseerlebnis. Während man beim Medienkonsum von Nachrichten oder Dokumentationen mit den Problemen dieser Welt hilflos, ja geradezu frustiert zurückgelassen wird, findet man bei diesem Designheft zum alten Optimismus zurück. Es gibt Menschen mit raffinierten Ideen da draußen, die unser aller Leben leichter machen können. Dennoch scheut das Magazin auch nicht davor zurück, den Missbrauch von Design anzuprangern, wie etwa geschehen bei der Glühbirnenindustrie, die die Lebensdauer ihrer Produkte durch gezielte Minderqualität absichtlich herabsetzte, während die berühmte Centennial Light seit 1901 ununterbrochen beweist, das Glühbirnen deutlich länger funktionieren können. Amsterdams Schiphol-Flughafen übrigens hat dafür gesagt, dass seine Lampen- und Lichtausstatter einen höheren Qualitätsanreiz haben. Die Holländer bezahlen den Lieferanten nicht für die einzelne Glühbirnen, sondern für das Licht.WorksThatWork - 5Peter Biľak gab bereits in der vorletzten Ausgabe bekannt, dass die Nummer 10 die letzte sein würde. Man wolle sich auf neue Projekte konzentrieren und durch den Schlussstrich dafür sorgen, dass «Works That Work» etwas Besonderes bleibt. Die Independent-Magazine-Szene bedankt sich nicht nur für die vielen Stunden Lesegenuss und Designinspiration, sondern auch für eine Distributionsinnovation, die den kleinen Zeitschriftenmachern einen neuen Weg aufgezeigt hat, wie die eigenen Hefte ihre Leser finden können: Die Social Distribution (siehe Video).

WorksThatWork - 6Titel: Works That Work. A Magazine of the Unexpected Creativity – In the Beginning is the End
Sprache: Englisch
Woher: Den Haag, Holland.
Offzieller Preis: EUR 16, £10 (ca. CHF 19)
Wo kaufen: worksthatwork.comWorksThatWork - 7

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