Wie das «B Magazine» Tyler Brûlé vergöttert

Das «B Magazine», eigentlich «Brand Documentary Magazine», wie im Kleingedruckten des Covers knöpft sich in jeder Ausgabe eine Marke vor und versucht vom Markenkern bis hin zur Markenwelt zu ergründen, was sie ausmacht. Meistens wählen die Südkoreaner globale Marken, die irgendwie hip sind, etwa Star Wars, die Kleidermarke Patagonia, Brillenhersteller Ray Ban oder Stadtmarken wie Berlin oder Portland (wobei letztere eigentlich Reiseführer sind). In der aktuellen Nummer 60 geht es um die Medienmarke Monocle, bekannt und groß geworden mit dem gleichnamigen Printmagazin und inzwischen erweitert um Radioprogramme (bzw. Podcasts), Bücher, Reiseführer, Cafés und Läden.

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Das «B»-Team (sorry, der musste sein) recherchiert sehr ausführlich, kramen alte Zeitungs- und Magazinartikel von The Guardian, The Economist und anderen heraus, die etwas zur Marke zu sagen hatten. Und mit dem Wissen im Gepäck reisen sie zu den Machern hinter Marke, aber auch zu anderen Stakeholdern, etwa langjährige Werbepartner, den Lesern, Zeitschriftenverkäufer (zum Beispiel auch Steve Watson von The Stack) und führen Interviews durch. Und tatsächlich ist es spannend zu lesen, welche Bedeutung die Marke Monocle in den Augen der Interviewten hat.

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Das «B Magazine» will und soll kein Werbemagazin für die Marke sein und betont ihr reines dokumentarisches, journalistisches Interesse an den Marken. Jedoch kann man durchaus anprangern, wie wenig kritisch ihre Fragen an die Chefs von Monocle, Andrew Tuck, Tyler Brûlé und all die anderen Verantwortlichen von Monocle sind. Die Interviewten dürfen ohne Widerspruch Monocle auf eine Ebene mit Giganten wie den New Yorker, The Economist oder The Financial Times stellen, die eben statt wöchentlich nur monatlich erscheinen. Beim Durchblättern durch Ausgaben «Monocle» darf die Frage nach dem politischen Nachrichtenwert durchaus gestellt werden. Das trauen sich die Macher vom «B Magazine» jedoch leider nicht. Die Vermischung von Werbung und Redaktion in sogenannten Advertorials wird als clevere Innovation gefeiert. Dass die Journalisten auch Werbeinhalte produzieren müssen und welchen Einfluss es auf ihre journalistische Objektivität hat, danach wird nicht gefragt.

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Dafür wird aus den Interviews das Selbstverständnis der «Monocle»-Macher ziemlich deutlich. Sie betrachten sich als intellektuelle, gut angezogene Jet Setter, die unter Qualitätsjournalismus verstehen, Möbel- und Fashiondesigner selber zu fotografieren und zu interviewen, anstatt die Stücke von Nachrichtenagenturen einzukaufen. Liest man zwischen den Zeilen, wirken die Redakteure vom «B Magazine» regelrecht begeistert von den «Moncole»-Machern, als seien sie wahre Tyler-Brûlé-Jünger. Klar, «Monocle» ist ein gutes Magazin. Zudem gehört der Podcast «The Stack» zum Pflichtprogramm für alle Magazinenthusiasten. Jedoch sollten wir die Kirche im Dorf lassen und «Monocle» als das betrachten, was es ist: ein gutes Lifestyle-Magazin, das zur Unterhaltung und zum Konsumieren anregen will. Nicht mehr, nicht weniger.

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Titel: B Magazine. Brand Documentary Magazine – Monocle.
Sprache: Englisch
Woher: Südkorea.
Offzieller Preis: ₩16’000 (ca. EUR 12.25, CHF 14.50)
Wo kaufen: Coffee Table Mags (zur Zeit ausverkauft)

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