Ein Hoch auf die Kaffeekunst

Ich liebe Städtetrips, da bin ich nicht anders als die meisten in meiner Generation der zwischen 25- bis 34-jährigen. Und jedesmal, wenn das nächste Reiseziel feststeht, recherchiere ich als erstes nach Speciality-Coffee-Cafés (oder Third-Wave-Coffee-Cafés). Und egal wo ich mich in der Welt befinde, ob in Mainz, Zürich oder Tokyo: In immer mehr dieser Cafés finde ich das «Standart»-Magazin.Standart02Das Magazin scheint sich im wahrsten Sinne seines Titels in ein Standardwerk der Third-Wave-Coffee-Szene zu entwickeln und zu etablieren. Jede Ausgabe teilt sich in die drei Kapitel „Coffee“, „People“ und „World“ auf. Das erste Kapitel zeigt bereits den zum Teil wilden Mix, für den das Magazin in der noch jungen Geschichte seines Bestehens steht: Die aktuelle Ausgabe steigt mit einem Artikel ein, der auf die ökonomischen Probleme der mittel- bis südamerikanischen Kaffeefarmen hinweist, die unter den chronisch tiefen Kaffeepreisen leiden. Der nächste Artikel ruft zu einem Umdenken beim Konsum von brasilianischen Kaffee auf. Es folgt ein informatives Portrait über die Kaffee(agrar)wirtschaft in Kolumbien. Und schließt mit einer überaus spannenden, detektivartigen Geschichtsreise über den Ursprung des Gesha-Kaffees, die Königin des Kaffees („God in a cup“), um das sich zahlreiche Mythen ranken („The Missing Link“, siehe Screenshot unten). Standart03Im „People“-Kapitel schleicht sich zwischen Interviews mit und Portraits über mehr oder weniger in der Szene bekannte Baristas mal wieder ein Artikel von einer Ethnologin ein, die zur Zusammenarbeit der Kaffeebranche und der Sozialwissenschaften appelliert („Why the Social Sciences Matter“, siehe folgendes Bild).

Standart04Und im dritten und letzten Kapitel „World“ schließlich finden die Leserinnen und Leser zwischen den Stücken über das richtige Verhalten in der Interaktion mit den Café-Kunden, dem viktorianischen Kaffeehaus, eine Musikerin- und Kaffeeliebhaberin und dem Kaffeereiseführer keinen gemeinsamen Nenner. Es scheint so, als sei hier alles gelandet, was nicht zu den ersten Kapiteln passte.Standart06bVielleicht ist der bunte Mix an Artikeln, die mal sehr unterhaltsam, mal sehr wissenschaftlich sind, ein Symptom dafür, dass das Magazin eben noch relativ jung ist und noch seine Linie finden muss. Vielleicht gehen die Macher aus der Slowakei aber auch davon aus, dass ihr Magazin vorzugsweise in den Cafés dieser Welt gelesen werden, wo zwischen dem Konsum von Cappuccino und Banana Bread nur noch Zeit für ein Artikel bleibt. Und diesen Artikel wählt man nach den eigenen Präferenzen und aktueller Stimmung aus, die man beim Durchblättern schnell finden möchte.Standart05Der Erfolg des Standart-Magazins gibt den Machern aus der Slowakei recht. Bereits im vergangenen Jahr 2017 erblickte «Standart Japan» das Licht der Welt, dieses Jahr sollen «Standart Russland» und «Standart China» (!) folgen. Dabei halten wir erst die zehnte Ausgabe der englischsprachigen Version in unseren Händen. Wir sind gespannt, wie es mit dem «Standart»-Magazin weitergeht, ob es irgendwann in den nächsten Ausgaben eine klare Linie findet und ob uns die Slowaken vielleicht eines Tages mit einer deutschsprachigen Ausgabe überraschen. Allen Kaffeeliebhabern kann ich dieses Magazin trotz Kinderkrankheiten vollen Herzens empfehlen.Standart07Titel: Standart. Standing for the Art of Coffee – Issue 10
Sprache: Englisch
Woher: Slowakei (Produktion), Tschechien (Druck)
Offzieller Preis: EUR 11
Wo kaufen: Beim Speciality Coffee Café deines Vertrauens oder Coffee Table Mags

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