Monocle schaut in die Zukunft der Medien

Das Monocle-Magazin ist wie ein Hamburger von Mc Donald’s. Es sieht gut aus, macht Hunger auf mehr und hinterlässt die Konsumenten regelmäßig enttäuscht zurück. Monocle möchte relevant sein und drückt dies durch ihre Titel und Themen auch gut aus. Sie treffen häufig auch interessante Interviewpartner. Doch ehe sie in einem Artikel die Oberflächlichkeit zu durchbrechen drohen, sind die Stücke auch schon wieder vorbei. Und man wundert sich, dass man auch nach zwei Stunden Monocle-Lektüre kaum Relevantes hinzugelernt hat. Dass sie weltweit trotzdem eine treue Anhängerschaft gefunden haben, darüber berichten wir bereits im Beitrag über das Magazin B, dass sich kürzlich mit der Medienmarke Monocle befasste.Monocle110 - 3Die Ausgabe 110 vom Februar 2018 legte ich mir zu, weil sich die Redaktion diesmal mit dem Thema Medien auseinandersetzt. Als treuer Zuhörer ihres Podcasts «The Stack» wissen wir, dass Tyler Brûlé (Editor in Chief & Chairman) und viele bei «Monocle» Fans von guten Zeitschriften, insbesondere aus der Independent-Magazine-Szene sind. Also war klar, dass sie in dieser Ausgabe auch den einen oder anderen Titel nennen würden, vielleicht auch Exoten, die ich noch nicht kannte.Monocle110 - 2Und tatsächlich: Im Artikel „Tried and Tested“ auf den Seiten 62 und 63 (siehe Bild oben) dürfen unsere Indie-Helden von «Yuca», «Delayed Gratification», «Suitcase», «Huck» und «Little White Lies», «Record», «Put A Egg on It», «The Gentlewoman», «Apartamento» und «Macguffin» Tipps für die Gründung einer eigenen Medienmarke erzählen. Bei so vielen Namen, gequetscht auf zwei Seiten, kann man aber schon vermuten, dass es «Monocle» mehr um das Name Dropping als um die Vermittlung von Inhalt ging. Denn wer fühlt sich nach dieser zweiseitigen Lektüre ermutigt, ein eigenes Magazin zu gründen?Monocle110 - 6Einpaar Seiten weiter erzählt Michelle Phillips von «Flaneur» und «Sofa», dass ein Magazin für die Zeit stehen sollte, aus der es stammt, ein Buch aber darüber hinausgehen müsse. Das ist in etwa die Kernaussage des Kurzartikels, in welchem die Einleitung etwa 75% des gesamten Textes einnimmt (Bild oben). Auf der gegenüberliegenden Seite beantwortet der Art Director des Süddeutschen Zeitung Magazins ganze zwei Fragen zum Design der wirklich tollen Beilage der Süddeutschen Zeitung.Monocle110 - 7Einmal umgeblättert (siehe Bild oben), erfahren wir, dass das die Macher des japanischen «Popeye»-Magazins, das wir von Printed Insights ebenfalls sehr schätzen, eine Wiederauflage des «Olive»-Magazines planen. Ein Frauenmagazin, dass in den 1980igern zwischen Tokyo und Fukuoka für Furore sorgte. Zum Artikel werden Bilder vom Chefredakteur, vom Art Director, einem alten Magazincover und einer Bildwand gezeigt. Monocle110 - 8Auf den letzten Seiten des Magazins werden brilliante Independent Shops vorgestellt (siehe Bild oben). Wir entdecken in der Auflistung «Under the Cover», wohl einer der besseren Läden für Indiemags. Andere Läden machen Lust auf einen ersten Kennenlernbesuch, zum Beispiel «The Book Society» in Seoul oder «Konst/ig Books» in Stockholm.

Am Ende des Magazins angekommen, stellen wir fest, dass wir beim Durchblättern viele tolle Namen wiedergefunden haben, fantastische Magazine wurden erwähnt, sowohl aus der Independentszene als auch aus dem Mainstream. Spannende News oder neue Erkenntnisse blieben jedoch leider Mangelware. Am meisten gefiel der Zweiseitenbericht über den Besuch bei Giovanni di Lorenzo, dem Chefredakteur vom Wochenblatt «Die Zeit», der von seiner schwierigen Kindheit als Sohn eines Italieners im Deutschland der 1970iger erzählt (siehe Bild unten). Monocle110 - 5Schließlich legen wir das Magazin in das Regal zurück und nehmen uns fest vor, nie wieder einen Hamburger von Mc Donald’s anzurühren. Zumindest solange bis die Enttäuschung wieder vergessen ist und wir uns vom Aussehen und Hungergefühl wieder anlocken lassen.

Titel: Monocle Issue 110 – Media Special: Print, Tech, Movies
Sprache: Englisch
Woher: London (Produktion), Schweiz (Druck)
Offzieller Preis: EUR 12
Wo kaufen: Zeitschriftenhandel in Bahnhöfen und Flughäfen

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