Zeig, was du kannst

Wenn man wissen will, wie eine typische BrandEins-Ausgabe gemacht ist, wie sie aussieht und mit welchem Witz sie ausgestattet ist, der sollte sich ihre aktuelle Februarausgabe mit dem Schwerpunkt Marketing kaufen. Den Leserinnen und Leser schreit auf einen der ersten Seiten auch gleich die rhetorisch-provokante Frage eines jungen Unternehmers entgegen, das sich auf zweiten Seiten mit viel Leerraum erstreckt und in der Kombination mit den vielen Leerzeichen noch einmal verstärkt: „Should we fuck capitalism?“ (siehe folgendes Bild).BrandEins - 5Das bald 20 Jahre junge Magazin, noch immer inhabergeführt, ist eines der erfolgreichsten Wirtschaftstitel im deutschsprachigen Raum und konnte noch nicht erfolgreich kopiert werden. Sie machten einfach alles anders als die (deutschsprachige) Konkurrenz: Statt grauhaarige Manager zieren häufig reine Textbotschaften oder Illustrationen die Titelseiten, meistens mit einem ironischen Unterton. Statt auf aktuelle Wirtschaftsnachrichten setzt die BrandEins auf monothematische Schwerpunkte. Und bei ihren Artikel interessieren sie weniger Unternehmen und Vorständler mit großen Namen, sondern vielmehr Unternehmer, Philosophen, Soziologen und Firmen, die ungewöhnliche (Denk-)Wege gingen und damit nicht selten erfolgreich waren.BrandEins - 6Doch wie kann es sein, dass große deutsche Verlage dem Erfolg von BrandEins kaum etwas entgegenzusetzen haben? Was ist BrandEins‘ Unique Selling Point, ihr Unfair Advantage? Diese Fragen sind insbesondere spannend vor der dem Hintergrund, dass man für eine Ausgabe stolze 10 Euro berappen muss. Ich vermute, es liegt an der einzigartigen Kombination von Ironie, der visuellen Ästhetik und der Vielzahl von Inspirationsanstößen, die jede Ausgabe zu aberwitzigen Schwerpunktthemen wie «Mut», «Geschmack» oder «Intuition» birgt. Davon fühlen sich auch viele Leserinnen angesprochen, laut Mediadaten der BrandEins machen sie 45% der gesamten Leserschaft aus – eine sehr hohe Quote für ein Wirtschaftsmagazin.BrandEins - 12Am spannendsten sind für mich die Stücke über Menschen oder Organisationen, die einfallsreich gegen den Strom schwimmen, indem sie branchenuntypische Entscheidungen trafen. Sie fielen häufig durch eine andere Weltsicht oder einem Out-the-box-Denken auf. Die aktuelle Ausgabe stellt zum Beispiel die kleine österreichische Supermarktkette Mpreis vor, die sich durch die außergewöhnliche Innen- und Außenarchitektur ihrer Filialen einen Namen machte (siehe Bild oben). Oder die Künstlerin Shantell Martin, die durch konsequentes Eigenmarketing eine Existenz im teuren New York aufbauen konnte, wo ihr zunächst die Türen zu den Gallerien verschlossen waren. BrandEins - 14Die BrandEins gehört zu den Magazinen, die die Leserinnen und Leser zum Denken anregen. Sind bei vielen anderen Titeln die Artikel bereits zwanzig Minuten nach ihrer Lektüre wieder vergessen, bemerke ich, dass ich über manche BrandEins-Artikel noch Tage später sinniere und mit Freunden diskutiere. Das schafften nur wenige Magazine. BrandEins - 9Titel: brand eins. Wirtschaftsmagazin – Schwerpunkt Marketing für alle. 20. Jahrgang, Heft 02.
Sprache: Deutsch
Woher: Hamburg
Offzieller Preis: EUR 10 (CHF 10 in der Schweiz)
Wo kaufen: praktisch an allen KioskenBrandEins - 15

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s