Sehnsucht nach Stadt, Land, Fluss

«The Weekender» gehört mit seinen sieben Jahren und 28 erschienenen Ausgaben bereits zu den alten Hasen der Independent Magazine und hat sich längst im schwierigen Zeitschriftenmarkt behauptet. Magazinneugründungen gibt es im deutschsprachigen Markt nicht viele, selten welche, die die dritte Ausgabe überleben (ein trauriges Beispiel ist «All You Can Eat», eine hübsche Zeitschrift über Essenskulutur, die leider eingestellt wurde). Doch was macht das Magazin so erfolgreich, so dass man es sogar in jedem grösserem Kiosk in Deutschland, Österreich und sogar in der Schweiz findet?IMG_20180306_133934.jpg«The Weekender» hebt sich gleich optisch positiv aus der langweiligen Masse der Zeitschriften heraus. Bereits die Titelseite fällt mit schönem Papier, schönen Schriften und vergleichsweise ungewöhnlichen Titelbildern auf. Städtenamen prangern regelmäßig auf dem Cover, so dass gleich klar ist, dass wir ein Reisemagazin in den Händen halten. In der aktuellen Ausgabe beispielsweise geht es u.a. nach New York. Die aktuelle Titeldame kennt kaum jemand, wohl auch nicht die Leserinnen und Leser. Aber man hat das Gefühl, man müsse sie kennen, so selbstbewusst, wie sie in die Kamera schaut.IMG_20180306_133616.jpgVon wunderbarer Qualität sind die Bilder im Heft. Sie gewähren häufig interessante Einblicke in Räume oder Objekte, die man in dieser Art in anderen deutschsprachigen Magazinen selten sieht. Nicht immer gefällt mir das Layout, weil Zeilenabstände häufig zu groß sind, zu viele Bilder auf eine Seite geklatscht werden und der Einsatz von Weißraum meistens vergessen wurde.  IMG_20180306_133648.jpgInhaltlich bedient «The Weekender» einerseits die Sehnsucht nach dem Reisen in ferne (New York, Taiwan) und nahe (Berlin, Leipzig) Orte. Andererseits nach dem Slow Life, also dem Ankommen und bewussten Leben. So kennen wir das ja bereits aus der «Kinfolk». Wobei die Tonalität bei der Zeitschrift aus Berlin etwas grober ist. Wie etwa beim Lissabon-Artikel in der aktuellen Ausgabe, in welchem der Autor den portugiesischen Schönheiten an den Stränden hinterhersabbert. Alles in allem herrscht in den Artikeln jedoch zu sehr heile Welt, alles ist so toll, so bewusst, so slow. Mit dem Slow-Life-Lifestyle kann ich mich zwar durchaus identifizieren. Aber nur, wenn er die Augen vor den dunklen Seiten der Welt nicht verschließt. Ich mag Problemlöser.IMG_20180306_133756.jpgInsgesamt habe ich großen Respekt vor dem Erfolg von «The Weekender», die auch mit ihrer Nummer 28 wieder zahlreiche Käuferinnen und Käufer finden werden. Mit ihren Fokus auf das Reisen und dem Slow Life treffen sie bei jungen Erwachsenen ohne Kinder wohl einen Nerv. Man kann nur hoffen, dass viele weitere deutschsprachige Magazinmacher es wagen, den Markt mit ihren Ideen zu testen, so dass wir bald eine größere Vielfalt von guten Independent Magazinen auf Deutsch geschenkt bekommen.IMG_20180306_133711.jpgTitel: The Weekender. Magazin für Einblicke und Ausflüge – Nr. 28.
Sprache: Deutsch
Woher: Berlin
Offzieller Preis: €9 zzgl. Versand
Wo kaufen: Coffee Table Mags (€9 + Versand)IMG_20180306_133844.jpg

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