Paris Special IV: Kinfolk

Die Reiselust der Leserinnen und Leser von Indie-Magazinen scheint ungebrochen, gehören viele Reisemagazine zu den Verkaufsschlagern dieser Szene. In unserem Paris-Special vergleichen wir die verschiedenen Titel anhand ihrer Paris-Ausgaben (hier geht es zur Übersicht des Paris-Specials). In dieser Ausgabe geht es um das Fashion- und Lifestyle-Magazin Kinfolk, das sich diesmal mit der Stadt der Lichter befasst.Erst vor einpaar Wochen hatten wir in diesem Blog die Sportausgabe von «Kinfolk» vorgestellt, um unsere Leserinnen und Leser ein bisschen die spezielle «Kinfolk»-Ästhetik zu vermitteln. Bei vielen Buchläden mit Fokus auf Indie-Magazinen wird die «Kinfolk» seit Jahren zu den Bestsellern zu gehören. Mit ihren ruhigen Fotos und dem Editorial Design prägen sie noch immer ganze Generationen von Magazinneugründungen. Mit ihrem Slow-Life-Weltbild treffen sie bei jungen Erwachsenen weltweit einen Nerv. Nun prallt dieses Weltbild auf die Hauptstadt der schnelllebigen Mode.

Die Parisausgabe verspricht in großen Lettern „Un guide“, also eine Führung durch die Stadt. Doch sollte man das Versprechen nicht wortwörtlich nehmen, denn einen Reiseführer sucht die Leserinnen und Leser vergeblich. Den Paristeil findet man im letzten Drittel des Heftes. Den Einstieg bildet eine 18-seitige Fotostrecke mit komisch guckenden Models mit eigenwilligen Frisuren – soweit so normal in einem Magazin mit Modeschwerpunkten. Auf der großen Doppelseite „Paris: Un guide“ folgen kurze Artikel über einen Restaurantbesitzer, über die Gründer von Bonpoint und über ein Schwimmbad, das nach Feng Shui gebaut wurde. Danach lesen wir Kurzportraits von verschiedenen Künstlern, bis wir zu den längeren und interessanteren Stücken über das Hermès-Magazin und des Unternehmers Ramdane Touhami gelangen. Der letzte Artikel befasst sich mit der franzöischen Musikrevolution der 1960er, der durchaus spannend ist.

„Un guide“ bezieht sich wohl nur auf die kurzen Stücke vor den Hauptartikeln. Die Portraitierten erwähnen hier und da ein Restaurant oder einen Ort in Paris, bei dem sie sich besonders wohl fühlen. Offenbar sollen die Leserinnen und Leser inspiriert werden, sich diese Orte herauszuschreiben und selbst zu erkunden. Als Grundlage für die Planung der nächsten Parisreise reicht das Heft jedoch nicht. Das will «Kinfolk» offenbar auch gar nicht sein. Der Verdacht des Over-selling liegt nahe: es wird zu viel versprochen. Übrigens ein Phänomen, dass wir bereits bei den Monocle-Heften stets beklagen, die beispielsweise auf einem ihrer Titel ein umfangreiches „Swiss Survey“ versprechen, das man dann vergeblich sucht.«Kinfolk» scheint wie auf der Suche nach etwas zu sein, was sie glorifizieren können. Ähnlich wie die «Monocle»  suchen sie die Begeisterung bei Unternehmern und Objekten aus dem kreativen Bereich und aus der Luxusbranche (Kunst, Design, Architektur, Mode). Es gibt da diese Sehnsucht nach Sinn, nach einem erfüllten Leben. Während es bei «Monocle» wohl eher um das erfolgreich sein geht, möchte «Kinfolk» bewusster leben, etwa durch die Wertschätzung für Qualität und Schönheit. Vermutlich teilen die Leserinnen und Leser jeweils die Sehnsüchte. Doch spätestens nach der Lektüre stellt man fest: «Kinfolk» scheitert, «Kinfolk» hilft uns nicht bei der Sinnsuche. Es kann bei der nächsten Ausgabe nur wieder Versprechungen machen, die sie nicht einhalten können.

Titel: Kinfolk. Volume Twenty-seven. Paris
Sprache: Englisch
Woher: Kopenhagen, Dänemark. Portland, USA.
Offzieller Preis: $18 (ohne Versandkosten)
Wo kaufen: Coffe Table Mags (€18 zzgl. Versandkosten)

 

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