Brutus Casa – Coffee in Japan

Japan ist in vielerlei Hinsicht ein faszinierendes Land. Die japanische Kultur will es so, dass jede Tätigkeit, sei es den Shikansen in einer Mordgeschwindigkeit zu putzen, Essen zuzubereiten oder den nächsten Roboter zu bauen mit absoluter Hingabe ausgeführt wird. Das gilt natürlich auch für das Kaffeerösten und -zubereiten, deren Qualitätselite sich als Teil einer Bewegung sehen, die sich Third Wave Coffee nennt und den gesamten Produktionsprozess vom Pflanzen, Ernten, Transport, Rösten bis zum Brühen neu denken. An deren Speerspitze nämlich befinden sich auch viele Japaner. Und diesen hat das «Brutus Casa»-Magazin in der aktuellen Aprilausgabe ein Denkmal gesetzt.IMG_20180409_154824.jpg«Brutus Casa» ist laut Selbstbeschreibung ein „Life Design Magazine“, was immer das bedeuten mag. Das Magazin habe ich letztes Jahr in Japan eigentlich überall gesehen, wo Zeitschriften verkauft wurden. Oft lagen sogar verschiedene Ausgaben aus, was bei dem Titel auch Sinn hat, weil es sich in jeder Ausgabe einem Thema widmet. Beispielsweise habe ich Ausgaben über Frankreich, Essen und Architektur gesehen. Diesmal geht es also um „Café & Roaster“, die wahrscheinlich bei vielen Kaffeeliebhabern weltweit Aufmerksamkeit erlangen wird.IMG_20180409_155016.jpgTypisch für japanische Hefte, blättert man «Brutus Casa» nach rechts, aus europäischer Perspektive blättert man also „falschherum“. Japan hat offenbar ein ähnliches Faible für englische Worte wie die deutschsprachigen Länder. Viele Überschriften lassen sich also noch verstehen und auch die im Heft vorgestellten Cafés und Röstereien haben häufig englische Namen. Was aber in den Artikeln selber geschrieben steht, lässt sich beim besten Willen nicht mehr zusammenreimen. Dafür müsste man die verschiedenen Alphabete Japans kennen (und dann auch noch die Sprache). Um beispielsweise zu erfahren, wo sich die entzückenden Mini-Cafés befinden, muss man noch ein bisschen googeln. IMG_20180409_155041.jpg«Brutus Casa» ist ein schönes Beispiel für ein japanisches Magazin, das einen völlig anderen Spannungsbogen wählt, um seine Leserinnen und Leser an das Thema heranzuführen. Wie beispielsweise auch das Magazin «Popeye» wirkt die gesamte Aufmachung des Magazin katalogartig. Die Bilder werden häufig aneinander gereiht und durch kleine Textblöcke begleitet. An vielen Stellen wird mit aus Bildern freigestellten Objekten gearbeitet, wie ich es in Europa eher aus Jugendmagazinen oder eben aus Katalogen kenne. Lange Texte gibt es allem Anschein nicht.IMG_20180409_155046.jpgSpannend finde ich auch das Gestaltungsraster (oder Gridsystem). Ich frage mich, ob es überhaupt ein einheitliches gibt. Jedenfalls entzieht sich mir die Anordnung der Gestaltungselemente jeglicher Ordnung. Dazu kommt, dass das japanische Schreibsystem sowohl vertikale als auch horizontale Schriftrichtungen erlaubt. Auf fast allen Seiten findet sich ein Mix aus beiden. Lesen Japanerinnen und Japaner normalerweise von rechts nach links, müssen die englischsprachigen Überschriften jedoch von links nach rechts gelesen werden. Spätestens jetzt kann man erahnen, dass für japanische Editorial Designer das Entwerfen eines angenehmen Leseflusses eine ganz besondere Herausforderung sein muss.IMG_20180409_155056.jpgWas können Kaffeeprofis von dieser Spezialausgabe mitnehmen? Ich würde sagen: Mache das beste aus deinen Möglichkeiten und seien deine Ressourcen noch so beschränkt. Die vielen Bilder der Mini-Cafés zeigen rührend, wie die Baristas selbst auf kleinsten Raum es schaffen, nicht nur Spezialitätenkaffee anzubieten, sondern auch ein gewisses Wohlfühlklima auszustrahlen. Und was können Magazinmacher von «Brutus Casa» lernen? Um das berurteilen zu können, müsste ich die Sprache können. Es wäre aber sicherlich spannend, wenn Magazinmacher in unseren Breitengraden mit dem japanischen Katalogstil experimentieren würden. IMG_20180409_155107.jpgTitel: Casa Brutus. Life Design Magazine.
Sprache: Japanisch.
Woher: Japan.
Offzieller Preis: ¥980 (ca. €7,50) in  Japan.
Wo kaufen: Coffee Table Magazines (€19 zzgl. Versand)

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