Frankfurter Allgemeine Quarterly

Dass die klassischen Zeitungsverlage den totalen Bedeutungsverlust ihrer gedruckten Cash Cows befürchten, scheint nicht immer mit negativen Folgen wie Stellenabbau oder sogar mit der Geschäftsaufgabe verbunden. Die Frankfurter Allgemeine zeigt, dass die Not auch erfinderisch machen kann und zur Eroberung von neuen Geschäftsfeldern führen kann. Während viele Zeitungshäuser langweiligerweise auf Einkaufstour gehen, um beispielsweise ihre verloren gegangenen Stellenmärkte zurückzuholen (Beispiel: Tamedia kauft eBay-Konkurrenten ricardo.ch), scheint die F.A.Z. wieder mit Printprodukten zu experimentieren.

Maker:S,Date:2017-9-30,Ver:6,Lens:Kan03,Act:Lar02,E-YNachdem die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor ein paar Jahren mit der F.A.Z. Woche ein Wochenmagazin gründete, das die wichtigsten Nachrichten einer Woche zusammenträgt, wurde vor zwei Jahren die «Frankfurter Allgemeine Quarterly» die erste Ausgabe herausgebracht, das sich mit dem Wandel in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft auseinandersetzt (bzw. „Zukunftthemen“ behandelt, wie die F.A.Z. es selbst beschreibt). Auch der vorliegenden Ausgabe 06 der «F.A.Z. Quarterly» erkennt man die Handschrift von «Monocle», die das Magazinkonzept entwickelten. Als ich das Heft erstmals im Kiosk entdeckte, hielt ich es sogar für eine dreiste Kopie des Lifestyle-Magazins aus dem „Midori House“ in London: Das Inhaltsverzeichnis mit der Weltkarte, der Einsatz von Bildern, Illustrationen, Farben, ja das ganze Layout ähnelt dem «Monocle»-Magazin. Doch beim näheren Durchblättern und Lesen wurde mir schnell klar, dass das «F.A.Z. Quarterly» das bessere Magazin ist.

Maker:S,Date:2017-9-30,Ver:6,Lens:Kan03,Act:Lar02,E-YDas «F.A.Z. Quarterly» gliedert sich in vier Sektionen. Den Einstieg bildet „FAQ“, ein Wortspiel aus Frequently Asked Questions und der Abkürzung des Magazintitels. Jedes der 13 Artikel beginnt passenderweise mit einer Frage als Titel. Diese sind aber nicht mehr sehr gelungen, was Titel wie „Kann man Antisemitismus abschieben?“ oder „Sind jüngere Frauen wie Jacinda Ardern die besseren Regierungschefs?“ zeigen. Es wirkt als wären der Redaktion die schlauen Fragen ausgegangen. Die Artikel selbst jedoch sind gelungen und lesenswert.

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Als nächste Sektion folgen die Artikel zum Thema der Ausgabe, „Die grosse Freiheit“ der viel beachteten Generation Z und der Millennials. Die Artikel enttäuschen mich. Es wird stark vereinfacht und verallgemeinert, was die Millennials ausmachen. Es scheint mir als würden die Autorinnen und Autoren eher ein Wunschbild von einer Generation beschreiben, das es so in der Realität wahrscheinlich gar nicht gibt. Ist die Generation wirklich so tolerant und offen gegenüber Andersgläubigen,  Geschlechtern außerhalb des binären Spektrums und irgendwelchen alternativen Lebensweisen? Unverständlicherweise wird unterschlagen, dass die Shell-Studie und andere Studien nur die Jugend aus Teilen der westlichen Welt untersuchen. Ob die den Millennials zugeschriebenen Charakteristika auch auf die gleichaltrigen Generationen Asiens, Südamerikas und Osteuropa zutreffen, mag ich stark bezweifeln.

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Die nächste Sektion trägt den Namen „Materialien“ und beschäftigt sich mit neuen Phänomenen oder Trends, wie etwa Positive Sex Partys, die sich in Berlin ausbreiten wie früher HIV-Viren. Mein Lieblingsartikel beschäftigt sich mit dem Designtrend der Wohzimmerisierung von Hotels, Flugzeugen, Schnellzügen und Cafés – ein Trend, den ich sehr begrüße. In der letzten Sektion klingt mit „Was kommt“ der Blick in die Zukunft am deutlichsten an. Auch hier wird in den Artikeln über aktuelle Trends geschrieben, allerdings geht es hier noch mehr um Ideen als um tatsächlich in der Masse realisiertes. Etwa Ideen zum recycelten Schmuck, Fitness Chatbots, die den Coach ersetzen, oder Produktinnovationen seit der Legalisierung von Cannabis.

Maker:S,Date:2017-9-30,Ver:6,Lens:Kan03,Act:Lar02,E-YInsgesamt überzeugt mich «F.A.Z. Quarterly». Wie mutig der Verlag ist, eine Quartalszeitschrift herauszubringen, das es in Sachen Layout, Papierwahl und Themen mit den besten Independent Magazinen aufnehmen kann, zeigt bereits der Umstand, das bisher noch kein anderes Zeitungsverlag Ähnliches versucht hat. Ganz bestimmt nicht in Deutschland, vielleicht sogar in der ganzen Welt nicht. Laut Mediadaten erreicht das Magazin eine Druckauflage von 70’000 Exemplaren. Bei einem Heftpreis von 10 Euro und einer potenziell konsumfreudigen Leserschaft scheint es eine gesunde Größe mit Wachstumspotenzial zu sein. Wir sind jedenfalls gespannt, wie sich das Heft in den nächsten Jahren entwickelt und hoffen, dass es noch einige Nachahmer im deutschsprachigen Raum finden wird.

Maker:S,Date:2017-9-30,Ver:6,Lens:Kan03,Act:Lar02,E-YTitel: Frankfurter Allgemeine Quarterly. Ausgabe 06
Sprachen: Deutsch
Woher: Frankfurt a.M.
Offzieller Preis: €10 (CHF 15)
Wo kaufen: an jedem gut sortierten Kiosk in der DACH-Region

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