Salt & Wonder in Island

Klassische Reisemagazine sind out, es leben die Bindestrich-Reisemagazine. Essens-Reisemagazine (Food Travel Magazines klingt deutlich besser) haben Salt & Wonder nicht erfunden, aber sie bringen das Genre auf die nächste Qualitätsstufe (man denke beispielsweise auch an «Fare»). Wer sich für die nächste Island-Reise inspirieren lassen möchte, der sollte einen großen Bogen um Lonely Planet machen und sich «Salt & Wonder» besorgen.

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Salz und Wunder von Saltwerk werden im Magazin vorgestellt.

«Salt & Wonder» nähert sich in jeder Ausgabe einer Stadt über ihre Kulinarik und Essenskultur. Nach Lissabon in der Erstausgabe geht es in der aktuellen Ausgabe um die die Hauptstadt der Nordatlantikinsel Island, nämlich Reykjavik. Die Insel liefert ja sehr viel Stoff für spannende Artikel, ist sie doch gesegnet mit märchenhaften Landschaften, die durch tausende Vulkanausbrüchen in den letzten Jahrhunderten geformt wurden und die Böden fruchtbar machten. Das extreme Klima mit den langen und dunklen Wintern, die von hellen Sommern abgelöst werden, und die weiten Seewege zum europäischen Festland schränkten über lange Zeit die kulinarische Vielfalt ein. Doch seit einigen Jahrzehnten, seit dem die Wege durch Globalisierung und technischen Fortschritt kürzen wurden, kommen endlich auch die Isländer auf den Geschmack von innovativen Köchen, die die isländische Küche revolutionieren.

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Leckere Speisen zum Nachkochen runden «Salt & Wonder» ab.

Witzigerweise beginnt die Ausgabe mit einem Artikel über Salz. Genauer: eine Firma, die sich der Salzgewinnung auf Island verschrieben hat, Saltverk. Offenbar gelingt ihr gutes Marketing, denn sie schafft durch die Verknüpfung ihres Handwerk mit der wilden Landschaft der Vulkaninsel eine Geschichte zu spinnen, für die Sternerestaurants in Dänemark und anderen Ländern offenbar bereit sind, tief in die Tasche zu greifen.

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Echtes Wasabi kann sogar auf Island wachsen.

Ein wahres Handwerk scheint wohl die Bewirtschaftung von eigenen Wasabipflanzen zu sein, schließlich enthalten viele weltweit verkaufte Wasabiprodukte gar kein echtes Wasabi – das hatte ich vorher auch nicht gewusst. Im spannenden Artikel „Sustainability by Default“ wird beschrieben, wie es zwei Isländern dennoch gelungen ist, Wasabi nicht nur anzupflanzen, sondern auch nachhaltig zu ernten. Rezepte zum Nachkochen gibt es übrigens auch noch dazu.

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Ein Heft über Reykjavik kommt natürlich nicht ohne Landschaftsbilder von der Umgebung aus.

An «Salt & Wonder» gefällt mir besonders der Verzicht auf Klischees. Nur ein einziger Artikel behandelte mit dem Thema Alkohol (in Island lange verboten) etwas Erwartbares  (nordische Länder > Depressionen > Alkoholmissbrauch). Ansonsten finde ich viele Artikel über innovative Unternehmer, Köche und Firmen, die die isländische Küche bereichern und die Welt überraschen (nordisches Wasabi? Algen?). Die optimische Komposition des Magazins gefällt mir zudem sehr gut. Schöne Schriftarten, wunderbare Bilder. Nur hier und da ist nicht immer klar, wo ein Artikel aufhört und der nächste beginnt (zum Beispiel beim Saltverk-Artikel).

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Kein Alkohol ist auch keine Lösung. Daher sind hochprozentige Getränke auf Island wieder erlaubt – Bier erst seit 1989!

Mit «Salt & Wonder» lernen also selbst erfahrende Islandwanderer eine neue Seite der Insel kennen. Islandneulinge können sich nach der Lektüre den nächsten Urlaub auf der nördlichsten Insel Europas bestimmt besser vorstellen.

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Geräuchert wird auf Island natürlich schon lange. Bei den Fischgründen auch kein Wunder.

Titel: Salt & Wonder. Rising Tides in Reykjavik.
Sprache: Englisch
Woher: Wien, Österreich
Offzieller Preis: 17.60 Euro (+ Versand)
Wo kaufen: saltandwonder.com 

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Und zum Schluss ein leckeres Bild. Hmmmmm.

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