Solo Magazin redet über Kaffee

Wir lieben Magazine. Wir lieben Kaffee. Dass wir in unserem Blog bereits viel über Kaffeemagazine (oder über spezielle Kaffeeausgaben) geschrieben haben, ist also kein Zufall. Da darf die neueste Ausgabe von «Solo» aus Barcelona natürlich nicht fehlen. Wie unterscheidet sich «Solo» von anderen Kaffeemagazinen? Wie gut ist das Magazin?

Solo02Um uns einen ersten Überblick zu verschaffen, blättern wir uns erst einmal durch das Magazin. Das handliche „Bookazine“ liegt mit seinem Taschenbuchformat und seinen 146 Seiten sehr gut in der Hand. Mir gefallen die gewählten Schriften, das ein- bis zweispaltige Layout und die Auswahl der Bilder. Obwohl «Solo» einen sehr aufgeräumten und ruhigen Charakter hat, erinnert es mich dennoch manchmal an das unorthodoxe Interior-Magazin aus derselben Stadt – «Apartamento». Vielleicht liegt es an der ähnlichen Komposition aus Magazinformat, Papierauswahl und Qualität der Bilder? Legt man auch noch das Happy-Clappy-Magazin «Perdiz» daneben, ist man stark versucht, eine Art Barcelona-Kategorie innerhalb der Independet Magazine zu sehen.Solo03Auf den vielen gelben Seiten im Heft werden die ansonsten englischsprachigen Texten in das Spanische übersetzt. Zwar wird das Gelb aus den Umschlagseiten (Titelfarbe und Buchrücken) geschickt aufgenommen, um eine gewisse Gesamtharmonie herzustellen. Jedoch hätte ich mich gefreut, wenn sie die Seiten für zusätzliche Bilder zu den Artikeln genutzt hätten, so wie es beispielsweise das bilinguale Reisemagazin «Lost» sehr geschickt umsetzt, bei welchem die Han-Schrift mit der lateinischen perfekt harmoniert. So weit hätten die Katalanen aber gar nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen müssen, denn «Perdiz» aus der direkten Nachbarschaft zeigte, wie die spanische und englische Sprache kombiniert werden können. Solo04Der Inhalt wird ausschliesslich durch das Thema Kaffee bzw. Spezialitätenkaffee zusammengehalten. Einen roten Faden kann ich ansonsten nicht finden. Das Magazin beginnt und endet mit einer Fotostrecke über noch nicht abgeräumtes Kaffeegeschirr: leere Kaffeetaschen, an deren Innenwände die Reste des Milchschaums kleben, und Teller, auf denen die Krümel zeigen, dass hier jemand kurz vorher noch einen Kuchen gegessen haben muss. Nach dem Editorial Letter steigt das Magazin mit einem Interview eines Kaffeeimporteurs ein. Ein Paar Seiten weiter wird ein Kalligraph interviewt, der neben Kaffee eine Leidenschaft für Disneyfiguren hat. Danach klärt uns ein Artikel über die Wichtigkeit der Frische von bereits gerösteten Kaffeebohnen auf. Der folgende Artikel diskutiert die Chancengleichheit von Frauen in der Speciality-Coffee-Szene. So geht es ohne erkennbare Logik weiter. Das ist nicht weiter schlimm, es zeigt aber den Reifegrad eines jungen Magazins, das erst drei Ausgaben herausgebracht hat.Solo05Dem Magazin fehlt also noch die Richtung, eine Vision. «Let’s talk good coffee» heißt es im Claim unter dem Magazintitel auf dem Cover. Das reicht meiner Meinung noch nicht ganz, um dem Magazin eine Richtung zu geben. Aber dafür hat «Solo» ja noch ein paar Ausgaben Zeit, sich das genau zu überlegen. «Drift» beispielsweise spricht auch über guten Kaffee, ihre Mission ist es jedoch, ihrer Leserschaft die Kaffeeszene einer Weltstadt näherzubringen (bspw. San Francisco in der aktuellen Ausgabe). «Standart» gibt seinen Ausgaben durch eine sauber voneinander getrennten Kapiteln eine klare Struktur. «Solo» sollte sich ebenfalls ein greifbareres Magazinkonzept einfallen lassen, denn eine treue Leserschaft braucht eine gewisse Erwartungshaltung.Solo06Als Coffee Nerd macht es mir dennoch viel Spaß, das Magazin durchzulesen. Besonders hatte es mich gefreut, als einer der ersten Besteller ein kleines Päckchen Kaffeebohnen von der in der Szene sehr geschätzten Nomad-Rösterei aus Barcelona zu erhalten. Davon hatte ich mehrere Morgen etwas, nämlich wunderbaren Kaffeegeschmack.Solo07Titel: Solo. Let’s talk good coffee. Issue 3
Sprache: Englisch / Spanisch
Woher: Barcelona
Offzieller Preis: EUR 14 (plus Versandkosten).
Wo kaufen: Coffee Table Mags (zwar EUR 16, Versandkosten jedoch geringer als bei solomagazine.coffee).

Solo09

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